Tihany bekam an dem 1. Juli 2003. vom Europa Rat ein Europa Diplom!
Die Halbinsel Tihany gilt in so mancher Hinsicht nicht nur in Ungarn, sondern auch in ganz Europa als einmalig. Die besondere geographische Lage, die Eigentümlichkeiten der Entstehung, das heutige Landschaftsbild, die geologischen und geschichtlichen Funde, die seltenen Pflanzen- und Tierarten sichern ihr einen Platz unter unseren schönsten und meistgehüteten Schätzen.
Für Fachleute von Forschung und Naturschutz sind die Werte der Halbinsel Tihany schon seit langem bekannt. Hier entstand das erste ungarische Landschaftsschutzgebiet im Jahre 1952. Heute beträgt sein Gebiet 1658 Ha und is es Teil des Balaton Oberland Nationalparks, dessen Vollschutzgebiete sind die Bozsai-öböl (Bucht) und der Külső-tó (deräussere See). Die Naturschutzverwaltungs- und behördlichen Aufgaben, Ökoturismus und Umwelterziehung werden von der Balaton Nationalpark Direktion besorgt.
Die Zielstellung geht in zwei Richtungen: einerseits zu zeigen und andererseits zu schützen. Dieser Wiederspruch ist nur ein scheinbarer, die Lösung liegt in Ihren Händen. Bitte befolgen Sie die angeführten Hinweise und Beschränkungen!
1. Das Balaton-Ufer und die Bozsai-Bucht
Von der gesamten Uferlinie der Halbinsel ist die süd-westliche Seite, der Abschnitt unterhalb von Gurbicza bis zur Fähre im naturnahen Zustand geblieben. Dieser Uferabschnitt bewahrt bei Sajkód und in der Bozsai. Bucht bis heute noch die natürlichen Zustände.
Die Bozsai-Bucht ist eine der letzten ungestörten, wasserrohrbewachsenen Buchten des Balatons. In den verborgenen Ecken des Schilfs blüht die weiße Seerose (Nymphaea alba). Am Ufer wird die Bucht von Weiden, Wiesen und Moorwiesenresten bbegleitet, es blüht - in der Gesellschaft von vielen anderen geschützten Pflanzen - das Moorknabenkraut (Orchis laxiflora), das schmallblättrigeWollgras (Eriophorum angustifolium) und die siberische Schwertlilie (Iris sibirica).
Das Schilf beherbergt Brutplätze einer Reihe von selten Vogelarten, so der Graugans (Anser anser) und der braunen Weiche (Circus aeruginonus). Unter der Säugetieren kann der besonders geschützte Bestand der Fischotter (Lutra lutra) erwähnt werden.
2. Die Seen von Tihany
In der Schönheit der Landschaft von Tihany spielen auch drei Seen eine wichtige Rolle: der Balaton (Plattensee), der Äußere See (Külső-tó) und der Innere See (Belső-tó). Doch diese Aufzählung ist nicht vollständig, weil in niederschlagsreichen Jahren auch ein vierter hinzukommt: der Rátai-csáva. Alle drei Innenseen der Halbinsel entstanden in Kratern ehemaliger Vulkane, wo sich das Niederschlagswasser gesammelt hat.
Der Innere See liegt in unmittelbar unter dem Dorf, ist nahe kreisrund und hat einen offenen Wasserspiegel 26 m oberhalb des Balatons. Er liegt in der gesunkenen Kaldera einer vulkanischen Eruption. Der Äußere See ist seicht und stark verlandet, er liegt im Hauptkrater des ehemaligen Vulkans der Halbinsel, 116 m über Seehöhe. Anfang der 1800-er Jahre wurden Entwässerungsgräben ausgehoben um das Wasser des Sees über den Aszófői-Séd in den Balaton zu leiten. Im Jahre 1976 übernahm die damalige Naturschutzbehörde die Verwaltung dieses Gebietes. Der Entwässerungskanal wurde geschlossen und damit eine Wiederherstellung der ursprünglichen Zustände des Sess eingeleitet. In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten haben sich die Wasserpflanzen wieder flächendeckend verbreitet und nun sind auch die charakteristischen Tierarten eines wäßrigen Standortes wieder zurück.
Auch die mit dem Wasser verbundene Insektenwelt ist reich, zahlreiche seltene Libellenarten finden finden hier gute Lebensbedingungen. Der See hat einen reichen Bestand an Amphibien und Reptilien, so z.B. besonders viele Sumpfschildkröten (Emys orbicularis). Und was die Vögel anbetrifft, brütet auch hier die Graugans (Anser anser), die braune Weiche (Circus aeruginonus) und in den letzten Jahren wurden auch Nester der Purpurreihers (Ardea purpurea) geschichtet. Die Gegend ist ein wichtiger Herbstreffpunkt der Reiherarten, da sich das seichte Wasser ideal für die Jagdmethoden dieser Vögel eignet. Vor dem Zuge sieht man häufig bis zu 20-25 Großreiher gleichzeitig am See.
3. Die Reste des Kalderarandes
Der Sockel der Halbinsel besteht in einer Tiefe von cca. 100 m aus Kalkstein und Margel aus dem seichten Meer des Oberen-Miozäns, die sich auf Sedimente des Trias, Sandstein des Perms und auf Fillit schichten. Auf dieses Fundament baut sich einer unvollständige Serie von pliozän-pannonischen Sedimenten auf. (In den pannonischen Schichten findet man die als "Ziegenklaue von Tihany" bekannten Fossilien, die Reste der Muschelart Congeria ungula caprae.) Auf den Rückzug des Pannonischen Meeres folgte die bazaltvulkanische Tätigkeit mit Zentrum in der Gegend des heutigen Äußeren Sees. Die Reste des ehemaligen Vulkankraters stehen heute als selbständige Berge um den Äußeren See herum: der Csúcs hegy (Spitzberg), der Nyereg-hegy (Sattel-Berg), der Apáti-hegy (Apáti-Berg), der Kiserdőtető (Kiserdő-Plateau) uind der Óvár (alte Burg).
Der Spitzberg
Infolge einer haftigen postvulkanischen Tätigkeit ist eine Reihe von Geysirkegeln entstanden; einer dieser ist der Csúcs-hegy. Der Quellenkegel und der Gang des aufbrechenden heißen Wasser ist am höchsten Punkt (235 m) der Halbinsel auch heute noch gut zu sehen. Die auf Bazalttuff sitzende Geysirit "Kappe" leister Wiederstand den Kräften, die den Berg erodiert haben, und so entstand die heute bekannte charakteristische Form. Laut einer alten Überlieferung war die auf der westlichen Seite befindliche Quellenhöhe ein Zufluchtsor von Sobri Jóska, des berühmtberüchtigen Räubers aus dem Bakony-Wald.
Der Sattelberg
Der Sattelberg (Nyereg-hegy) ist ein schamles, felsiges Grat zwischen dem Spitzberg und dem Apáti-Berg, von dem sich ein hervorragendes Panorama des Plattensee-Oberlandes, des südlichen Balatonbeckens und der Bozsai-Bucht ebenso bietet, wie in gegengesetzte Richtung zum Inneren der Halbinsel.
Eines der wertvollsten geologischen Gebilden der Halbinsel ist dieses keilförmige Berggrat. Hier strömte infolge postvulkanischer Aktivitäten heißes Wasser auf die ehemalige Oberfläche und es entstand in kleineren und größeren Seen mit warmen Wasser Seehydroquarzit mit eingeschlossenen Pflanzenresten und dünnplättrigem Kieselkalkstein. Die Kalksteinplatten zeigen infolge der damaligen Wasser- und Krustenbewegungen eine willkürliche Rüschenform.
Der Apáti-Berg
Dieser Teil des Kalderarandes liegt am nächsten zum Äußeren See. Auf der Ost-Seite fällt die Oberfläche steil, über Bazalttufelsen bis zum See hinab. Die Felsformationen zeigen Spuren der Winderosion. Das Innere der Halbinsel, der Äußere See, der Innere See und die Ursiedlung, bzw. im Hintergrund die Stadt Balatonfüred, liefern einen Blick prägenden Erlebnisses. Auf der Nord-Seite steht die soeben in Renovierung befindliche Kirchenruine von Apáti, die uns den Standort dieses ehemaligen Dorfes ziegt.
Der Apáti-Berg gehört zu den wertvollsten Biotops der Halbinsel. Am Bergplateau finden wir in zum Teil sekundären Weisen reihenweise mediterrane und submediterrane Pflanzen, darunter die Saatblume (Sternbergia colchiciflora), den Herbstblaustern (Schilla autumnails), die Winde (Convolvulus cantabricus) und die Rapunze (Valerianella pumilla). Ebenso leben hier auch die stachelige Luzerne (Medicago rigidula), mehrere Arten des Steppengrases (Stipa sp.) und die kleine Schwertlilie (Iris pumila). An den Felsen der Ost-Seite blüht der böhmische Goldstern (Gagea bohemica), die pannonische Steinnispel (Cotoneaster matrensis) und die Kronenwicke (Coronilla emerus). Das südländische Klima ist auch für Insekten günstig; hier finden wir die in Ungarn seltenen großen Zikadenarten, die singende Riesenzirpel (Tibicina haematodes) und die Mannazirpel (Cicada orni).
Damit sind aber die Besonderheiten des Apáti-Berges noch nicht zu Ende. Auf der Südseite liegt nämlich der letzte Rest der ehemals so berühmten Lavendelfelder von Tihany. In dieser Gegend blüht - wahrscheinlich ebenfalls infolge eines früheren Anbaus - der Fingerhut (Digitals lanata), eine unter besonderen Schutz stehende Pflanzenart. Von den hier vorkommenden geschützten Insektenarten gebührt dem Mandelholzkäfer (Lioderina lineraris) die Erwähnung.
Das Kiserdő-Plateau
Dieses ist ein Rest des Kalderarandes im mittleren Teil der Halbinsel, zwischen dem Äußeren und dem Inneren See. Die durch die vulkanische Tätigkeit entstandenen Bazaltfelsen wurden bei späteren Erdbewegungen aus ihrer ursprünglichen Lage versetzt. Der Wind erodierte das weichere Steinmaterial, doch der härter gebundene Bazalttuff konnte den vernichtenden Kräften wiederstehen. So sind die hier sichtbaren "vom Winde gefrästen" Felsen entstanden. Oben ist der Berg von einem Felsrasen und von einer Hangsteppe bedeckt, mit umlaufendem Eichengebüschwald und Perrückenstrauch. Letztere bieten im Herbst mit ihrer roten Verfärbung und im Hintergrund mit dem Äußeren See einen malerischen Anblick.
Der Óvár-Berg
Ein markantes Berggrat an der östlichen Abgrenzung der Halbinsel, mit pittoresken Bazalttufformationen an der Balaton-Seite. Oben verlaufen die schönsten Erdschanzenreste des Zeitalters der Plattensee-Gegend. In der Nähe diese ehemaligen Festungserdwalls befinden sich sog, "pannonische Rasenarten" mit charakteristischen, geschützten Pflanzen wie Ameisendistel (Jurinea mollis), große Kreuzblume (Polygala maior), Feuerröschen (Adonis vernalis), großblättrige Steinmispel (Cotoneaster tomentosus), Schusterblume (Pulsatilla grandis), Sadler-Flockenblume (Centaurea sadlieriana) und "csillag gerebcsin" (Aster amellus). Ebenso finden wir hier die in Ungarn nur von zwei Stellen bekannte "nyugati ajtóscsiga" (Pomatias elegans).
An der Ost-Seite verlauft im 20 m hohen Bazalttuffelsen eine Reihe der künstliche angelegten sogenannten "Einsiedlerhöhlen". Es sind nurmehr drei dieser Zellen zu sehen, die anderen wurden im Jahre 1952 bei einem Felssturz zugeschüttet. Im Jahre 1994 stabilisierte man die Felswand und die noch vorhandenen Zellen. Die einzige Schichtenquelle der Halbinsel, der Russen-Brunnen entspring in der Nähe und wurde von diesen benannt. (Heute wird sie häufiger die Cyprian-Quelle genannt.)
4. Der Szarkádi-Wald
Die Randberge der Halbinsel sind größtenteils bewaldet, der schönste ist der Szarkádi-Wald auf der südwestliche Seite. Charakteristisch ist der Bestand von Zerr- und stillosen Eichen, vermischt mit Pflaumeneichen (Quercus pubescens), Blumeneschen (Fraxinus ornus), Feldahorn (Acer capmestre) und Feldulme (Ulmus minor). Hier leben auch einige besondere Eichenarten, so die italienische Eiche (Quercus virgiliana), eine natürliche Hybride dieser und der molyhos Eiche (Quercus virgiliana x pubescens), sowie eine dürrebeständige Variante der stillosen Eiche, die vielkrönige Eiche (Quercus polycarpa). Unterhalb des reichen Strauchniveaus leben viele wertvolle Weichstängelpflanzen so auch das geschützte Purpur-Knaben-kraut (Orcis purpurea) und das große Tausendguldenkraut (Dictamnus albus).
Charakteristische Vertreter der Tierwelt des Szarkádi-Waldes sind der ebenfalls unter Schutz stehende Riesen-Hirschblock (Cerambyx cerdo), der Hirschkäfer (Dorcus paralelepipedus), sowie die Amphibienarten Streifenmolch (Triturus vulgaris) und brauner Krötenfrosch (Pelobates fuscus). Eine häufige Reptilienart ist die Waldnatter (Elaphe longissima) und neben den vielen Singvögeln auch der Schwarzspecht (Dryrocopos martius), der Grün- und Grauspecht (Picus viridis, Picus canis), von den Tagesraubvögeln der Sperber (Accipter nisus) und von den Nachtraubvögeln eine echte südländische Rarität, die Zwergohreule (Otus scops).
5. Das Geysierfeld und das Goldene Haus
Das zwischen dem Szarkádi-Wald und dem Inneren See liegende Geysirfeld entstand vor cca. drei Millionen Jahren im erdgeschichltichen Quartär. Während der postvulkanischen Aktivitäten die auf die bazaltvulkanische Bewegung folgten, strömte heißes Wasser auf die damalige Oberfläche. Diese Heißwasserquellen sprangen - ganz gegenwärtigen in Island - als periodische Geysire hoch. Aus dem heißen Wasser und den Warmwasserseen setzte sich ein kalk- und kieselsäurehaltiger Schlamm ab, der allmählich zu einem Gestien (Hydroquarzit) wurde. Je nach der Geysirtätigkeit und der Wasser bzw. Krustenbewegungen verfestigte sich der Geysirit massenhaft in einer zerknitterten Plattenform und bildete 100-150 kleinere und größere Geysirkegel. Heute sind normehr etwa 50 diese das zu sehen. Der größte ist der Goldene Haus (Aranyház), so benannt weil er großflächig von gelber Flechte bedeckt ist.
Von der Spitze des Geysirkegels bietet sich ein schöner Blick in Richtung des Inneres Sees und des Urdorfers, und beim Fuß des Kegels erwartet ein alter Tihanyer Keller - heute als Lapidarium eingerichtet - seine Besucher.
Der Lóczy-Lernpfad
An den hier eingehend beschriebenen Sehenswürdigkeiten führt die Touristen der Lóczy-Lernpfad entlang. Sein Ausgangspunkt befindet sich bei der Kirchenruine Apáti neben Sajkod und er führt über die Apáti-, Nyereg- und Csúcs-Berge in den Szarkádi-Wald, andschließend - mit Berührung des Geysirfeldes und des Goldenen Hauses - in das Urdorf hinunter. Weiter geht der Weg über Kiserdő-Plateau, Óvár und Einsidlerhöhlen zur Schiffsanlegestellte Tihany. Am Lernpfad befinden sich sieben Raststellen, jeweils mit einzelnen Besonderheiten verbunden, die hier ausführlich beschrieben sind:
- Nyereg Berg
- Csúcs-Berg
- Geysirfeld
- Das Goldene Haus
- Kiserdő-Plateau
- Óvár
- Einsiedlerzellen